AKTE X keanu reeves

Der unbekannteste star hollywoods

Im Film war er schon Polizist, Barde, Party-Freak, Drogensüchtiger und Buddha, im Privatleben stellt er sich gern als uninteressanten Nobody hin: Seit seinem Erfolg mit "Matrix" ist Keanu Reeves wieder in aller Munde...

Er war erst zwei, als sich seine Eltern trennten. Von da an zog Keanu mit Mutter Patricia und verschiedenen Stiefvätern durch die Kontinente - ein schlechter Schüler, beliebt bei den Klassenkameraden, als hyperaktiver Störenfried bei den Lehrern verhaßt. Keanu: "Ich mußte mir einen Weg aus meiner Schüchternheit erarbeiten." Mit 15 warf er die Schule hin, nahm Schauspielunterricht und hielt sich als Eislaufschuhschleifer, Gärtner und Leiter einer Spaghetteria über Wasser. Ein Jahr später spielte er bereits in Werbe-Spots, doch aus Torontos Hochschule für darstellende Künste wurde er wegen mangelnder Disziplin wieder rausgeworfen.

Frustriert trampte Keanu nach L.A., wo er nach einer harten Zeit als Produktionsassistent erste Teenie-Rollen bekam, weil er fünf Jahre jünger aussah. Mit dem Teenie-Kultfilm "Das Messer am Ufer" startete er endgültig durch. Währen des Drehs zu "Prinz von Pennsylvania" - Keanu auf komisch - entdeckte der angehende Star seine Liebe zum Motorradfahren, außerdem entwickelte eine Schwulengruppe in Toronto den "Keanu Stomp" - ein Tanz, der seine Gehweise in diesem Film imitiert. Seine Liebe zur Moto Guzzi brachte ihm einige Konflikte mit dem Gesetz, mehrere Unfälle und eine Narbe quer über die Brust. Keanu: "Mein Körper ist ein Wrack." Weinen konnte Keanu nie. Als er es in einer Szene von "Gefährliche Liebschaften" tun sollte, mühte er sich sechs Stunden lang vergeblich ab.

1989 machten "Bill und Teds verrückte Reise durch die Zeit" sowie "Eine Wahnsinnsfamilie" Reeves zu einem echten Hollywoodstar, Marke Mädchenschwarm. Das war ihm aber peinlich: "Ich bin wahrlich nicht der attraktivste Kerl der Welt!" Für "Julia und ihre Liebhaber" lernte er - erstmals als Actionheld - Surfen, heute sein zweites Lieblingshobby.

Völlig ausgepowert flog Keanu gleich weiter nach Oregon, um als Stricher neben River Phoenix für "My Private Idaho" vor der Kamera zu stehen. "Ich war fertig und hätte nicht gedacht, daß ich das durchstehe. Aber der Elan des brillianten River Phoenix hat mich wieder aufgerüttelt". Es gab wilde Spekulationen über sein Liebesleben. War er schwul? Die zweideutige Antwort: "Nein ... aber man weiß ja nie". Und weiter: "Es ist nichts verkehrt daran, wenn man schwul ist. Es zu leugnen, würde bedeuten, es zu verurteilen." Keanu weigerte sich stets, Einblick in sein Liebesleben zu gewähren, also sagte man ihm Affären mit Frauen und Männern nach. Erhält sich an den Spruch von keine Zeit für eine ernsthafte Beziehung: "Die einzige Frau, die ich regelmäßig treffe, ist meine Schwester Kim." Trotz wiederholter Verlautbarungen, daß er gern heiraten und drei Kinder haben würde, spielte sich da außer ein paar Sichtungen mit TV-Präsentatorin Amanda De Cadenet nicht viel ab. 1992 wurde ihm eine Heirat mit Medienmogul David Geffen nachgesagt - Keanu: "Das ist ziemlicher Schwachsinn." - drei Jahre später eine Affäre mit einem Ballettänzer. Keanu kontert: "Mein Liebesleben ist nicht geheimnisvoll! In dieser Abteilung spielt sich halt nicht viel ab."

Nachdem er in Tom Pettys Video mitgewirkt hatte, erfüllte sich Keanu den Wunsch nach einer eigenen Musikerkarriere. Das Baßspielen hatte er sich selbst beigebracht, und mit dem Schauspielkollegen Robert Mailhouse (drums), Bret Domrose (Gitarre) und Gregg Miller (Gesang) gründete er Dogstar: "Es macht Spaß, wir sind nicht schlecht und es gibt Freibier."

Fü "Little Buddha" wurde er in die Kunst der Meditation eingeführt und bestand darauf, sich - wie bei seinen Actionstunts - für die asketische Phase Buddhas nicht doublen zu lassen. Mit strenger Diät magerte er bis auf die Knochen ab. Die esoterische Phase endete, als der Film im Kasten war: "Das Mystischste, was ich heute besitze, ist ein Deokristall. Wenn man den befeuchtet und sich damit unter den Achseln einreibt, riecht man nicht mehr."

Nachdem er für die Baseballkomödie "The Scout" mit knapp unter 1,80 m nicht groß genug war, tröstete er sich mit der Hauptrolle im Actionfilm "Speed". Obwohl die Produzenten Tobsuchtsanfälle kriegten, weil Keanu sich die Haare millimeterkurz hatte schneiden lassen, war der Haarschnitt nach dem Erflg des Films derart hip, daß Tausende Jungmänner (auch Robbie Williams und Andre Agassi) von ihren Friseuren einen "Keanu" verlangten. "Speed"-Partnerin Sandra Bulock: "Ich glaube, daß Keanu härtere Zeiten erlebt hat, als er zugeben will. In seinem Blick liegt eine Spur von Traurigkeit. Die wahre Ursache gibt Keanu aber nicht preis."

Nach "Speed" mit Rollenangeboten in Millionenhöhe überschüttet, gibt Keanu lieber ins kanadische Winnipeg, um am Theater Hamlet darzustellen. Zurückgekehrt landete er eine Reihe von weniger erfolgreichen Filmen. Keanu Reeves war nahe am Out, ehe ihn der Erfolg von Matrix schlagartig ins Rampenlicht zurückholte.

Seine nächsten Filmprojekte: Im Thriller "Driven" spielt Keanu einen verschlagenen Serienmörder, in "The Replacements" einen Quarterback der Washington Redskins. In "Shooter" verursacht Keanu versehentlich den Tod eines Unschuldigen und flüchtet in die Berge von Arkansas.