Klappe auf für ... keanu reeves

Sein Vorname ist hawaiisch und bedeutet "kühle Brise über den Bergen". Keanu Reeves hat überhaupt seinen ausgesprochen exotischen Background. Geboren wurde er am 2. September 1964 in Beirut (Libanon), und seine Jugend verbrachte er abwechselnd in Australien, New York und Kanada.

Sein Vater, ein Hawaiianer mit chinesischen Vorfahren, büßt eine Gefängnisstrafe wegen Drogenschmuggels ab. Keanu hat so gut wie keine Verbindung zu ihm. Seine Mutter, eine englische Kostüm-Designerin, heiratete nacheinander drei Männer, die Keanus Stiefväter wurden - kein Wunder, dass er ungern über sein Privatleben spricht.

Seine Karriere begann er mit einem TV-Werbespot. Nach Rollen in "Dracula" und "Little Buddha" kam der Durchbruch im Thriller "Speed", der auch Sandra Bullock zum Star machte. Seitdem kann sich Keanu seine Rollen aussuchen. Wenn er nicht filmt, fährt er mit seinem Motorrad durch die Gegend oder spielt Bass in der Rockband Dogstar. Er ist als eigenwillig und verschlossen bekannt und sagte einmal über sich: "Ich bin wie Micky Maus in Disneyland - niemand weiß, wer unter dem Kostüm steckt."

Sein neuester Film "The Matrix" ist ein Science-Fiction-Abenteuer, das in zwei Welten spielt: in der, in der wir leben, und in einer anderen, die dahinter liegt - das geheimnisvolle Matrix, das die Menschen ausbeutet und versklavt. Keanu spielt einen Computer-Hacker namens Neo, der in das Matrix eindringt.

TOPIC-Korrespondent Hans J. Spürkel unterhielt sich in Los Angeles mit Keanu.

TOPIC: Was war dein erster Gedanke, als du das Drehbuch gelesen hattest?
Keanu Reeves: Dass das ein Film ist, den ich machen muss. Die Story, die Dialoge, die Ideen, das alles hat mich umgehauen.
? Lässt sich der Inhalt in einem Satz zusammenfassen?
Das ist unmöglich. Der Film stellt eine Menge Fragen, gibt aber wenig Antworten. Die große Frage ist natürlich: Was ist das Matrix?
? Die Figuren im Film sind beinahe märchenhaft...
Ja. Da sind der Held, der Guru, die Krieger, die Wegweiser, dann die Prophezeiung, das Orakel. Und alle warten auf den Messias.
? Du bist in "The Matrix" körperlich in Topform. Wie hast du dich darauf vorbereitet?
Das war hart. Ein Kung-Fu-Lehrer aus Hongkont hat vier Monate lang jeden Tag mit mir trainiert. Außerdem habe ich gejoggt und Gewichte gestemmt. Ich habe in dieser Zeit 10 Kilo abgenommen.
? "The Matrix" ist der ideale Film für die Computergeneration.
Ja, aber nicht nur für sie. Man kann den Film sehen und genießen, ohne jemals vor einem Computer gesessen zu haben.
? Welche Rolle spielt denn der Computer in deinem Leben?
Du wirst lachen - ich habe keinen! Ich bin wahrscheinlich der Einzige weit und breit, der keinen Computer besitzt. Wenn ich mal online gehen will, muss ich zu einem Freund gehen. Ziemlich umständlich, aber was soll's.
? Dein Privatleben ist ja geheimnisvoll. Die Leute sagen, du bist Einzelgänger, hast keine Freundin, kapselst dich ab...
Ach, wirklich? Das müssen Leute sein, die mich nicht kennen.
? Bist du happy, so ganz ohne Bindungen zu sein?
Es gibt Tage, da sitzt du zu Hause rum oder liegst im Bett und fühlst dich einsam, und an anderen Tagen sagst du dir: "Gott sei Dank bin ich allein."
? Wie kommt es, dass du in Beirut zur Welt kamst?
Da musst du meine Mutter fragen, das ist ihre Story.
? Okay, reden wir über Musik. Wie geht es Dogstar?
Danke, sehr gut. Wir sind dabei, eine CD zu machen. Wir haben einen Plattenvertrag, wir schreiben neue Songs, spielen hier und da. Es macht Spaß.
? Ist es schon vorgekommen, dass andere Bands versucht haben, die abzuwerben?
(Lachend) Ich habe gehört, die Stones suchen einen Bassisten. Aber Mick Jagger hat noch nicht angerufen.