The Watcher : Kritiken

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Berliner Zeitung (18. Jan 01)

Keanu Reeves wirkt nicht besonders trainiert: Joe Charbanics langweiliger Thriller "The Watcher"

Zwei Männer machen Chicago unsicher. Joel Campbell war einmal Polizist, jetzt ist er Neurotiker und ein guter Kunde der amerikanischen Pharmaindustrie. David Allen Griffin war immer schon Neurotiker, inzwischen ist er ein Serienmörder und nebenbei ein Spieler, der die Polizei auf Trab hält. Der Neurotiker, der früher als Cop arbeitete, ist nach Chicago geflohen, weil er den Serienmörder, der immer schon sein Schatten war, in Kalifornien nicht stellen konnte.

Der Gute ist eine gebrochener Mann, der Schlechte ist mit sich im Reinen - das ist die Gerechtigkeit dieser Welt, und Joe Charbanics "The Watcher" trägt nichts zu deren Verbesserung bei. Der "Watcher" beobachtet Frauen, dann nähert er sich ihnen, dann dringt er in ihre Privatsphäre ein, und dann tötet er sie. Alles hübsch nacheinander. Seit er Campbell nach Chicago gefolgt ist, genießt er seine Morde noch mehr, indem er sie ankündigt. Die Polizei erhält eine Fotografie vom nächsten Opfer, und dann beginnt ein Wettlauf mit der Zeit: Wie findet man in einer Millionenstadt ein Mädchen, das gerade ahnungslos vor dem Fernseher sitzt? "Mom, ich schaue mir einen Film an", sagt die Einsame noch am Telefon, dann läutet es an der Tür. Irgendwo am anderen Ende der Stadt windet sich ein gebrochener Mann gerade vor dem Kühlschrank, in dem die rettenden Tabletten sind.

Getöse steht am Beginn. Die Polizei greift wieder einmal ein; mit Helikopter und Elitetruppe nähert sich die Exekutive einer Tür in einem der weniger gut beleumundeten Stadtteile von Chicago. Reifen quietschen, Funkgeräte laufen heiß, Körper schütten Adrenalin aus. Joe Charbanic ist ein Regisseur der leeren Kilometer. Er liebt offensichtlich den Materialaufwand, der mit dem Kino verbunden ist. Die Geschichte, die Schauspieler, die Welt sind ihm gleichgültig, und von der hohen Kunst, gerade in einem Formelfilm noch etwas Anderes, Reicheres zu erzählen, weiß er gar nichts. James Spader und Keanu Reeves sind die ersten Opfer dieser Unbedarftheit. Sie spielen Charaktere von lächerlicher Eindimensionalität. Spader, ein kontemplativer Schauspieler, der in Cronenbergs "Crash" dem Tod intensiv ins Auge gesehen hatte, schlägt sich hier mit einer Traumapsychologie herum, die ihn zum Gespött degradiert. Und Reeves, ein Schauspieler, der in guten Momenten die pure Aura verkörpert, ist als "Watcher" sichtlich nicht ganz austrainiert - und dann drückt ihm Charbanic noch ein Bier in die Hand! Marisa Tomei spielt eine Psychiaterin, gegen deren grandiose Einfalt jedes pharmazeutische Antidepressivum nachgerade sokratische Wirkung entfaltet.

Thriller dieses Zuschnitts funktionieren gewöhnlich als Parallelaktion. Der Weg des Täters, die Suche der Jäger und die Irrwege der Opfer werden von einer allwissenden Instanz souverän verknüpft. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben mit schlechtem Gewissen und einem Circulus vitiosus aus Therapie und Prozac. Der Gute und der Böse laufen mehrmals knapp aneinander vorbei, und einmal treffen sie sich dann auch, um einander in die Augen zu sehen: Ein Friedhof ist für diese Aussprache die ideale Kulisse, und hier stellt sich auch heraus, dass schon in Kalifornien ganz schlimme Dinge passiert sind, auf die Charbanic mit jener Sorte Rückblende verweist, für die Freud den Begriff "Flash" noch nicht kannte.

Joe Charbanic versteht sich auf jenen Typus Bilder, die im Musikvideo alltäglich sind, den Spielfilm jedoch selten bereichern: Sie sind unstet, verwischt, nie ganz bei der Sache, immer schon Pose. Kein Wunder, dass "The Watcher" langsam verrückt wird. In diesem Film gibt es einfach nichts zu sehen. - Bert Rebhandl

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Berliner TAZ (18. Jan 01)

Keanu Reeves` leeres, feistes Gesicht

Joe Charbanics Weg vom Videoclip zum abendfüllenden Thriller: "The Watcher" ist der Versuch zu beweisen, dass es im hinreichend ausgedeuteten Serienkiller-Genre womöglich der beste Einfall ist, keinen Einfall zu haben.

Wer dieser Tage einen Film über einen Serienmörder und die Jagd nach ihm macht, muss sich was einfallen lassen. Zu viele Porträts von Serienkillern gab es im vergangenen Jahrzehnt, zu viel Blut ist in den Filmen bis zum bitteren Ende vergossen worden, und über die Maßen oft wurde erklärt, dass Serienmörder einfach nicht anders können und arme Kreaturen sind - zuletzt von Spike Lee, der den schizophrenen New Yorker Liebespaarmörder Sam dann auch nur noch als Blaupause benutzte, um seine Seventies-Summer-of-Sam-Geschichte zwischen Disco und Punk erzählen zu können. In Serienmörders Psyche jedenfalls kennen wir uns bestens aus, und dass auch die Psyche ihrer Verfolger und Therapeuten nicht immer die stabilste ist - geschenkt, reine Allgemeinbildung.

Ob dieses hinreichend ausgedeuteten Genres hat sich der erfolgreiche Videoclip-Regisseur Joe Charbanic wahrscheinlich gedacht, der beste Einfall ist der, gar keinen Einfall zu haben. Jedenfalls legt das sein Spielfilmdebüt "The Watcher" nahe, das praktisch ohne einen ausgeklügelten Dreh auskommt und sich selbst am Ende jede überraschende Volte erspart.

Was ja erst mal auch nicht sein muss: Ausgebrannter FBI-Agent gegen typisch narzisstischen Frauen-Serienmörder - so lautet die Figurenkonstellation von Charbanics Film, die durchaus für einen hübschen Thrill und eine gute Geschichte hätte reichen können. Doch es will nicht so richtig hinhauen mit James Spader als FBI-Agent Joel Campbell und Keanu Reeves als Serienmörder David Allen Griffin.

Der eine ist von Los Angeles nach Chicago gegangen, um hier den Job, die damit zusammenhängende Ermordung seiner Frau und überhaupt alles hinter sich zu lassen. Dabei helfen sollen ihm ordentlich Psychopharmaka und eine Psychoanalyse. Der andere, ebenfalls aus L. A. und unerledigter Fall von Spader, hat genau da was gegen und sucht sich seine Opfer nun auch in Chicago - so gehören sie zusammen auf Leben, Tod und Psyche. Von interessanten Rollentauschen, schönen Doppelgängererlebnissen oder anderen wahnhaften Verirrungen aber keine Spur. Spader bleibt der kaputte, aber brave FBI-Agent, den die Vergangenheit nicht loslässt und der deswegen noch mal ran muss; und Griffin bleibt der "Watcher" und Serienmörder (wahrscheinlich aus Passion, mehr Hintergrund gibts nicht), der Spader seine Grüße schickt in Form von Fotos der Frauen, die er 24 Stunden später ermorden wird.

Beim Showdown spielt Spaders Analytikerin noch eine tragende Rolle, aber nur als Opfer, und das wars dann. Dazu gibts selbstredend schnelle Schnitte, ein paar Stunts und Verfolgungsjagden. Da sorgt eine Musikmischung aus TripHop (Einsamkeit, Kälte in der Großstadt) und Heavy Metal (Action!) für die richtige Atmo, und schließlich guckt man auch Keanu Reeves gern in sein auftragsgemäß leeres und interessant feistes Gesicht - doch all das reißt es nicht. Killen kann aufregender sein, anregender, aufschlussreicher, und von tollen, fünfminütigen Videoclips zu einem abendfüllenden Thriller ist es halt doch ein weiter Weg, Herr Charbanic. - Gerrit Bartels

http://www.taz.de/tpl/2001/01/18.nf/text.Tname,a0123.list,TAZ_txt.idx,94

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Die Welt (17. Jan 01)

"The Watcher": In der Masse gibt es keine Rettung

David Allen Griffin hat ein Auge für Menschen, und für Frauen insbesondere. Er sieht sie nicht nur, er nimmt sie wirklich wahr, auch die, die sonst im hektischen Treiben der Großstadt beinahe von allen übersehen werden. Griffin dagegen erkennt ihre Einsamkeit und ihre Sehnsucht nach einem netten Lächeln, ein paar unverbindlichen Worten, einem kurzen Flirt.

Sie blühen auf im Licht seiner Aufmerksamkeit - aber nur für eine kurze Zeit, denn Griffin ist ein Serienkiller, der ein perfides Spiel mit der Gleichgültigkeit unserer Welt spielt. Jedes Mal, wenn er ein neues Opfer entdeckt hat, schickt er dem ausgebrannten, tablettensüchtigen FBI-Agenten Joel Campbell ein Foto und gibt ihm einige Stunden, die Frau zu finden und zu retten.

Der Blick in Joe Charbanics "The Watcher" ist ein anderer als in den meisten Serienkiller-Filmen. Er gilt nicht mehr dem Killer als einem Exempel für all die amoralischen und zerstörerischen Obsessionen, die sonst in Schach gehalten werden; er gilt der Masse, all den Menschen, die Tag für Tag durch die Malls hasten, ohne auch nur einmal nach rechts oder links zu sehen.

Zwei Mal schickt Griffin (Keanu Reeves) seinen Wahlverwandten Campbell (James Spader) und das ganze Police Department von Chicago auf die Suche nach einer jungen Frau. Zwei Mal sind die Nachrichten voll von dem Bild des potenziellen Opfers. Zwei Mal stehen überall Polizisten und halten die Passanten an, zeigen ihnen die Fotos der Unbekannten, aber die meisten sehen gar nicht hin, gehen weiter, wollen einfach nicht belästigt werden. Zwei Mal können Campbell und die anderen die Frauen nicht vor Griffin bewahren.

Die Trauer ist übermächtig in "The Watcher". Sie zehrt Campbell von innen auf, seit ein Fehler von ihm seine Geliebte getötet hat. Aber selbst sein depressiver Wahnzustand, den er ständig mit Tabletten und Spritzen gegen Migräne bekämpft, erscheint noch menschlicher als die allgegenwärtige Teilnahmslosigkeit. Campbell kann wenigstens noch etwas empfinden - anders als die Masse der Abgestumpften, die Griffins Opfer weder im Leben noch im Tod eines Blickes gewürdigt haben.

Ellie, eine unscheinbare Mittzwanzigerin, die in einem Foto-Shop gearbeitet hat, und Jessica, eine jugendliche Ausreißerin, die Monate auf der Straße leben musste, ihnen gilt die Aufmerksamkeit Joe Charbanics, um sie trauern er und sein Kameramann Michael Chapman in den entscheidenden Momenten, in denen sich "The Watcher" in ein Requiem verwandelt. Der Schrecken geht weniger vom Killer als von der Erkenntnis aus, dass jeder Mensch in der Großstadt letztlich allein ist, ohne Hoffnung auf Rettung. - Sascha Westphal

http://www.welt.de/daten/2001/01/18/0118kfi216305.htx

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Thüringer Allgemeine

Das alte filmische Spiel vom Räuber und Gendarmen

Das alte Spiel von "Räuber und Gendarm" verliert nie an Faszination. Nach über hundert Jahren Film fällt es aber zunehmend schwerer, dieses Spiel für die Leinwand zu variieren. Der - jedenfalls im Kino - beliebte Serienkiller benötigt immer ausgefallenere Motive, muss seine Metzelorgien auf immer neue Weise zelebrieren. Diesmal drehte Musikvideo-Regisseur Joe Charbanic an der blutigen Schraube.

In Los Angeles gibt es nicht nur Engel. Die Aufgabe von FBI-Agent Joel Campbell (James Spader) besteht darin, Serienmörder zur Strecke zu bringen. In diesem Job ist er sehr gut, aber der Irre Allen Griffin (Kenau Reeves), ein Frauenmörder, führt den Ermittler immer wieder auf falsche Spuren. Machtlos muss Campbell sogar die grausame Ermordung seiner Freundin hinnehmen. An dieser Tat verzweifelt, kehrt der Fahnder L.A. den Rücken und begibt sich in Chicago in Behandlung der jungen Psychologin Polly (Marisa Tomei). Doch Griffin ist Campbell gefolgt. Er verehrt den erfolgeichen Verbrecherjäger nämlich. Sein seltsamer Weg das auszudrücken, ist eine neue Mordserie. Das jeweilige Opfer präsentiert er vorab auf einem Foto. In der Anonymität der Großstadt gelingt es Campbell trotz Einsatz aller Medien nicht, die Opfer vor Griffins Klinge zubewahren. Schließlich gerät Polly ins Visier des Mörders...

An dem Thriller "The Watcher"gibt es im Prinzip nichts auszusetzen. Die Optik und die schauspielerischen Leistungen sind stimmig. Die Geschichte ist zwar etwas sonderbar, wird aber ungemein spannend, actionreich und mit hohem Tempo erzählt. Das ist schon mehr, als man über viele vergleichbare Streifen des Genres sagen kann. Kritiker werfen Keanu Reeves vor, dass er in der Rolle des Massenmörders nicht überzeugen könne. Schließlich haben wir alle unsere ganz konkreteVorstellung davon, wie ein solcher auszusehen hat: so nett jedenfalls nicht. Mit einer Besetzung gegen den Typ erlitt schon Karlheinz Böhm vor mehr als vierzig Jahren als Killer in "Peeping Tom" Schiffbruch. Seine Filmkarriere hat sich davon nie wirklich erholt. Keanu Reeves´ Seitenwechsel wird man spätestens nach "Matrix" 2 und 3 wieder vergessen haben.

http://www.thueringer-allgemeine.de/free/ta.artikel-lokal.inhalt-000.html?region=Eisenach&news_id=1388823

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Neue Ruhr Zeitung

Hundsgemeiner Serienkiller

David Allen Griffith hat es auf junge Frauen abgesehen. Er beobachtet sie, studiert ihre Lebensgewohnheiten, dann schleicht er sich in ihre Wohnungen ein und tötet sie. FBI-Agent Joel Campbell hat Griffith gejagt, kam ihm dabei sehr nahe - und dennoch fiel auch seine Freundin diesem Killer zum Opfer. Jetzt ist Campbell seelisch und körperlich ein Wrack. Er hat sich nach Chicago versetzen lassen, um der Vergangenheit zu entkommen. Aber Griffith ist ihm nachgefolgt, und er hat alles vorbereitet, damit der Cop auf gar keinen Fall zur Ruhe kommt.Geschichten um hundsgemeine Serienkiller, die ihre Opfer lustvoll quälen und dann auf bizarre Weise töten, sind grundsätzlich eine spannende Angelegenheit. Es kann jedoch ganz schnell zäh und öde werden, wenn der Cocktail aus Sadismus, Psychotricks und Rasterfahndung ausnahmslos alte Brötchen aufwärmt. Was hier der Fall ist. Die bösartige Intelligenz des Killers, die selbstzerstörerische Identifikation des Cops mit seinem Beruf, das wechselseitige Katz-und-Maus-Spiel zweier geistesverwandter Kontrahenten - man hat das einfach zu oft gesehen. Gerade deshalb reicht es nicht mehr, ein paar Versatzstücke und Standardsituationen aneinander zu kleben und eine kompetente Besetzung ins kalte Wasser zu werfen. Dass Keanu Reeves, der Schöne, der einstens den friedfertigen Buddha spielte, den Mörder gibt und der psychotische James Spader den Ermittler, konterkariert Erwartungen, mehr aber auch nicht. Gerade Reeves ist die pure Lustlosigkeit, weil Buch und Regie ihn sträflich unterfordern.

Immerhin hat er sich das gut bezahlen lassen. Aber er sollte sich schon darüber im Klaren sein, dass ein derart zweitklassiger Film ganz schön schädlich sein kann für den Ruf. - Edda Bauer

http://www.nrz.de/free/nrz.artikel-000.html?news_id=1387504

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Stuttgarter Zeitung

Keanu Reeves in "The Watcher"

Chicago, Schräglage Der Regisseur Joe Charbanic hat da etwas nicht richtig begriffen. Einen neuen Blick auf alte Geschichten zu werfen, das heißt nicht, die Kamera aus schrägen Winkeln auf das Geschehen blicken zu lassen, als sei ein Bungee-Springer zufällig Zeuge der Ereignisse. Es heißt auch nicht, Chicago als Dutzendkulisse an die Stelle von New York oder L.A. treten zu lassen. So aber erzählt der Kinodebütant Charbanic die Mär von der monströsen Beziehung eines Serienmörders (Keanu Reeves) zu einem Polizisten (James Spader). Jeder Mord wird nur noch eine Grußkarte, mit deren Hilfe der Killer seinen Jäger auf sich aufmerksam machen will, den er sich als Gott-, Vater- und Bruderersatz auserkoren hat. Immer wenn Charbanic uns etwas über das Innenleben der beiden Männer erzählen müsste, lässt er Polizeiwagen um Straßenecken schleudern, und immer wenn er Reeves in einem Raum voller Wachskerzen zeigt, glaubt er, eine Landkarte der inneren Höllen à la "Seven'' vor uns auszubreiten. Nichts zu sagen zu haben, aber unbedingt auf sich aufmerksam machen zu wollen: das ist das Aus für jeden Film. tkl

http://www.stuttgarter-zeitung.de/dc1/html/news-stz/20010118kult0013.shtml

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Cinema

Kennen Sie Keanu? So noch nicht! Keanu Reeves als fieser Serienkiller mit Sendungsbewusstsein

Nein, diese Serienmörder! Früher schlachteten sie einfach ihre Opfer ab und versteckten sich vor der Polizei. Seit "Sieben" aber lieben sie es, einen Cop ihres Vertrauens mit kryptischen Botschaften zu nerven und überall verschlüsselte Hinweise auf ihre Identität zu verstecken. So handhabt es auch der "Watcher" (farblos: Keanu Reeves), ein Schlitzer, der seinem Lieblingsbullen Campbell (James Spader) sogar von Los Angeles nach Chicago nachreist, als der sich versetzen lässt...

Das Einzige, was diesen soliden aber überraschungsarmen Film von all den inhaltsähnlichen Kinostücken unterscheidet, ist die Figur von Campbell, ein depressives, migränegeplagtes Wrack, das ständig schmerzlindernde Spritzen braucht und sich bei einer Psychiaterin (Marisa Tomei) ausweint. Der exzellente James Spader gibt der Rolle mehr Tiefe, als der Film verdient. - Gernot Gricksch

http://www.cinema.de/film/details/0,1501,297053_inhalt,00.html

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Neues Volksblatt (Linz)

The Watcher: Jäger und Gejagter

Spielen wir "Hasch mich": Keanu Reeves ist der zynische Serienkiller, dem seine "Arbeit" nur Spaß macht, wenn James Spader als Polizist hinter ihm her ist. Der Killer schickt Foto und Mordzeit des Opfers voraus und freut sich diebisch, wenn es seinem Verfolger, hinter dem er eigentlich her ist, nicht gelingt, die blutige Tat zu verhindern ... - - Kein Wunder, dass James Spader so entsetzlich gestresst aussieht. Ein Wunder hingegen, welche Themen dazu ausersehen werden, ein breites Publikum in aller Welt zu - unterhalten. Die Fragestellung, ob es gelingt, den Mord zu verhindern, funktioniert die paar Male, die sie präsentiert wird, und wenn sich der Killer dann der liebenswürdigen Psychiaterin (Marisa Tomei) unseres begreiflicherweise seelenkranken Polizisten nähert, dann erwächst die Spannung nicht aus dem Nichtwissen, sondern aus dem Wissen der Zuseher. - Man zittert programmgemäß um die Opfer, möchte - wie im Kasperltheater - dem Inspektor zurufen, was man weiß, und sollte der Versuchung nicht nachgeben, sich vom bösen Täter faszinieren zu lassen. Keanu Reeves ist schließlich so etwas wie ein Publikumsliebling ... Aber moralische Bedenken sind vermutlich nicht angebracht: Krimis, auch scheußliche, sind Übereinkunft, es geht um die Spannung, und am Ende muss das Gute siegen. Im Leben gelingt das nicht immer, Filmdrehbücher sind gerechter, und so erfüllt dieser durchaus spannende Streifen von Joe Charbanic die Vorgaben des Genres. - R.W.

http://www.volksblatt.at/15NV_545888.stm

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Gießener Anzeiger (15. Jan 01)

Hubschrauber, Hektik, Hundeaugen

Keanu Reeves spielt in "The Watcher" einen Serienkiller - Ärgerlicher Thriller mit absehbarer Handlung. Womöglich haben amerikanische Filmemacher fiktiv mehr Frauen umgebracht als reale Serienkiller. Im Thriller "The Watcher", der am 18. Januar anläuft, wird die Zahl der Opfer gar nicht mehr beziffert. Zu sehen bekommt man dennoch drei, fast vier tote Frauen, selbstredend alle jung, schön und wimmernd. Denn vor ihrer Entleibung werden sie variantenreich gequält. "Welches Genre garantiert immer ein paar Zuschauer und erfordert am wenigsten Denkarbeit?", mag sich Joe Charbanic bei seinem Regiedebüt gedacht haben, um unweigerlich den x-ten Serienkiller zu feiern. Auch er versucht, einem psychopathischen Mörder charismatische Qualitäten zu verleihen. Doch von Anthony Perkins in "Psycho" und Anthony Hopkins in "Das Schweigen der Lämmer" führt ein steil abfallender Weg zu Keanu Reeves, dem bestaussehendsten Nicht-Schauspieler Hollywoods. Reeves, sonst ein positiver Held, ist als Serienkiller David Griffin ebenso gegen den Strich besetzt wie sein Widersacher, der von James Spader dargestellt wird und der eher auf zwielichtige Typen abonniert ist. Die einzige originelle Idee dieses Films ist aber denkbar uninspiriert umgesetzt. Der einstige FBI-Agent Joel Campbell hat nach dem Tod seiner Freundin den Dienst quittiert und vegetiert tablettenabhängig in einer verkommenen Wohnung vor sich hin. Nur zu seiner Therapeutin hat er menschlichen Kontakt. Als eine Nachbarin umgebracht wird, dämmert ihm, dass sein alter Feind ihn eingeholt hat. Der Serienkiller David Griffin ist tatsächlich seinem Lieblingscop von Kalifornien nach Chicago hinterhergezogen und will mit weiteren Mordtaten seine Aufmerksamkeit erregen. Dabei scheint es ihm nicht um die Frauen zu gehen, sondern darum, Joel Campbell näher zu kommen. Nur Vertrauen in äußerliche Effekte Dank Kinoerfahrung in die Psychologie von Serienkillern eingeweiht, weiß man, dass stets Homoerotik dabei ist, wenn Killer und Cop ihr perverses Katz-und-Maus-Spiel beginnen, und dass erstere die unbewusste Sehnsucht nach Entdeckung umtreibt. Statt dieses Muster zu vertiefen, versucht der Thriller Spannung aus rein äußerlichen Effekten hervorzurufen, wobei alles aufgeboten wird, was schon ein wenig altbacken ist: Zeitlupe, körnige Videoaufnahmen, blitzartige, verwischte Rückblenden und wildes Kameragefuchtel. Schließlich ist Regisseur Charbanic durch Musikclips bekannt geworden. Donnernde Rockmusik und Explosionen dürfen folglich nicht fehlen. Griffin nimmt seine zukünftigen Opfer per Camcorder auf, schickt die Aufnahmen an Campbell und gibt ihm 24 Stunden Zeit, die Frauen zu finden. Dass die Chronik der angekündigten Tode bis zu Campbells Therapeutin reicht, ist von Beginn an klar wie das Amen in der Kirche. Und wenn zum wiederholten Male die Hubschrauber um die Chicagoer Hochhäuser knattern und Keanu Reeves Hundeaugen stumpf in die Welt blicken, wird man müde und ärgerlich. Der Nachzügler-Serienkiller "The Watcher" ist abgedroschen, sadistisch und bestenfalls langweilig. Er reiht sich ein in die lange Liste der schlechten Hollywood-Filme, die schon im vergangenen Jahr für leere Kinokassen sorgten. Man kann den Abend auch und viel besser bei einem guten Buch verbringen.

http://anzeiger.net/cgi-bin/frame_mh1.cgi?mh1left=/navi/mh1-left-nachrichten.html&mh1stage=http://anzeiger.net/artikel/artikel_aussgabe.asp?zeitung_id=ganz&rubrik_name=anzku&artikel_id=2881149

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Reutlinger Nachrichten

Post vom Serienkiller

Der Thriller »The Watcher« erzählt eine altbekannte Geschichte.

Wenn uns der Hollywood-Film der letzten Jahre eines beigebracht hat, dann dies: die USA sind ein Land, wo hinter jeder Ecke ein Serienmörder lauert. Als Thema eines Films sind diese Menschen so beliebt, weil sie das absolut Böse verkörpern. Die dunkle Macht, die sich rational nicht erklären lässt. Sie töten aus Lust, als Spiel oder einfach so. Sie sind auf der Jagd, und werden selber gejagt. Und die, die sich auf ihre Spur setzen, müssen sich in ihr Denken hineinversetzen, um Erfolg zu haben. Das nagt an der Psyche, und macht den Serienmörder-Jäger selbst zum Opfer.

FBI-Agent Joe Campbell (James Spader) hat in Los Angeles acht Jahre lang Serienmörder verfolgt. Nur einen hat er nie geschnappt. David Allen Griffin (Keanu Reeves) hat immer schöne, junge Frauen umgebracht, und ist dann entkommen. Als er Campbells Freundin tötet, bricht der FBI-Mann zusammen. Er flieht nach Chicago, und hält sich mit Medikamenten und einer Psychoanalyse bei der jungen Ärztin Polly (Narisa Tomei) einigermaßen am Leben. Doch dann muss er entdecken, dass er die Vergangenheit nicht los geworden ist. Griffin schickt ihm Briefe mit Fotos junger Frauen, die er ermorden will. Und Campbell hat nur jeweils 24 Stunden Zeit, sie zu finden.

»The Watcher« ist der erste Spielfilm von Joe Charbanic, der bisher seine Brötchen mit Musikvideos verdient hat. Und man muss ihm zugestehen, dass er seine Sache ordentlich macht. Dass ist allerdings bei einer Geschichte, die doch recht ausgelutscht ist, zu wenig. Wenn der Plot vorhersehbar ist, muss die Inszenierung das auffangen, und das tut sie nicht. So ist »The Watcher« trotz eines Stars wie Keanu Reeves in der Rolle des Bösen letztlich nur Durchschnitt. - Arnfried Lenschow

http://www.gea.de/nachrichten/gea/20010119/html/Article/0221213003_00701.html

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Die Presse

Und er verfehlt die Bierflasche doch

Keanu Reeves verliert sich in "The Watcher", einem Thriller nach Bauplan, zwischen hochgezüchteten Bildern im Videoclip-Format.

Die zerteilte Leinwand des Vorspanns, der split screen kündigt es schon an: Eine gespaltene Persönlichkeit in Gestalt eines Serienmörders treibt hier ihr Unwesen. An David Finchers Seven sollen die ausgewaschenen Farben gemahnen, die alsbald in den Neonschlieren Chicagos zerlaufen. Und das Böse zeigt sich gleich: Keanu Reeves in Zeitlupe, begleitet von einem Song namens "How To Make A Monster."

Fast alles ist damit schon gesagt zu The Watcher, dem Regiedebüt Joe Charbanics, eines weiteren Videoclip-Regisseurs, der dem Ruf Hollywoods gefolgt ist. Wie unlängst in The Cell legt man dabei Wert allein auf schick aufbereitete Optik, die Geschichte erweist sich als unnützes Anhängsel: Ein Cop, von Erinnerungen an eine gescheiterte Mörderjagd geplagt, die aussieht wie schlecht kopierte Filmbilder Wong Kar-wais, ist in eine neue Stadt versetzt worden. James Spader spielt ihn, und erneut wird er für leeres Starren auf seine wechselnden Gegenüber verschwendet: Daß er zwanghafter Faktenjäger ist, der sich in Details verzettelt und ein zerrüttetes Privatleben führt, ist Unmengen von Papier anzusehen, die sich in seiner unordentlichen Wohnung stapeln.

Seine Nemesis, der Mörder, ist ihm gefolgt, um alleinstehende Damen in unerwarteten Momenten zu beseitigen. "Um Mitternacht sind die Frauen noch vorsichtig, aber sieben Stunden später laufen sie halbnackt herum", wie es einer der vielen an der Grenze zur Lächerlichkeit balancierenden Sager des Films formuliert. Der Polizist erkennt: "Er folgt einem Ritual, und über die Jahre wurde ich Teil davon." So erhält er stets Bilder der geplanten Opfer, um die jeweils Abgebildete noch vor der magischen Deadline aufzufinden. Charbanic bekundet dabei mehr Interesse an den Möglichkeiten, mittels neuer Technologie Details aus den Fotos zu erarbeiten, als für die Erzeugung von Spannung im Wettlauf gegen die Zeit: Die Faszination am rein Visuellen steht sich auch hier ununterbrochen selbst im Weg. Ehe es dann zum - reichlich unglaubwürdigen - Showdown kommt, findet The Watcher immerhin zu einem überraschenden Moment: Reeves, dessen amüsiertes overacting als einziger Beitrag in diesem lustlosen Konglomerat den Begriff Spielfreude nahelegt, macht eine halbe Drehung - und verfehlt die am Boden stehende Bierflasche unerwarteterweise um ein paar Millimeter. Mehr Feinarbeit wird man in The Watcher nicht finden. hub

http://www.diepresse.at/presse.taf?channel=kultur&read=spec&which=M08&detail=722031&tmp=18098&be=M08

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Kurier

The Watcher

Besser wäre ja Warten auf Anthony Hopkins' "Hannibal"; dort zeigt das Grauen I.Q. und Humor; darf deliziös kannibalischer Leichenschmaus erwartet werden. Aber es gibt eben Fans, Keanu Reeves treu ergeben. Die haben jetzt die wohl einmalige Chance, sein edles Bleichgesicht als eiskalte Monstermaske ins Auge zu fassen. Nur so amortisiert sich die Investition in ein Ticket. Alles andere kennt man von unzähligen Vorgängern, die dem Blutsumpf-Genre entstiegen sind.

Die meisten Massenmörder schnetzeln in den USA und davon mehr als 90 Prozent in Hollywoods Studios, wo die kalifornische Sonne unverdrossen jeden Morgen von Neuem die Blutmeere trocknet. Fast ausschließlich werden schöne Frauenkörper in Leichenfunde verwandelt.

Und zu allem Überfluss betätigen sich die Frauenschlitzer als Rätselonkels, die den Detektiven mit Vorliebe knifflige Denkaufgaben stellen, die zu ihrer Ergreifung führen könnten. Da die Hirne der Triebtäter aber krank sind, kriegen die smartesten Ermittler ebenso wenig Chancen wie der Zuschauer. Schlussendlich hat der Held dann doch den rettenden Lichtblick ... Im Fall Keanu Reeves alias Griffin passiert dies Duell in Gestalt von Co-Softie James Spader einem ganz besonderen Verlierertypen.

Trotz aller Starbesetzung fährt uns das relativ schwach in die Arterien. Am aufregendsten sind eigentlich einige optische Attraktionen. Aber selbst da kann eine durchschnittliche Sony Spielkonsole mehr. - Rudolf John

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