Komödie / Football
Kinostart USA: 11. August 2000; Deutschland: 21. Juni 2001
Die überbezahlten Football-Profis der Washington Sentinels begeben sich in einen Streik, weil sie noch höhere Gagen wollen. Also beauftragt ihr Präsident Edward O'Neil den alten Coach Jimmy McGinty, ein Ersatzteam zu finden. |
Warum müssen Profis immer nur ans Geld denken? In einer schwungvollen Football-Komödie zeigen Keanu Reeves und Gene Hackman, dass Sport vor allem auch Spaß machen soll. Sie glauben ja gar nicht, wie wenig Geld fünf Millionen Dollar sind. Ungefähr die Hälfte der Gage geht sowieso gleich für die Steuer drauf, dann will der Agent seinen Teil vom Kuchen haben, die Ex-Frau führt auch keinen schlechten Lebensstil, dazu noch Schmuck und Sonstiges für die derzeitige Freundin, der eine oder andere Ausflug nach Las Vegas, und überhaupt: Schon mal überlegt, was allein der Ölwechsel kostet, wenn du einen Ferrari fährst? Edward OŽNeill (Jack Warden), Eigentümer der Washington Sentinels, hat ein Problem: Seine Football-Profis wollen mehr Geld für ihre Künste sehen und damit sie das auch kriegen, brechen sie vier Spiele vor der Playoff-Runde einen Streik vom Zaun. Quasi Erpressung. Aber OŽNeill, einerseits zahlungsunwillg, andrerseits stur und nicht auf den Kopf gefallen, geht auf keinerlei Forderungen ein. Lieber holt er den ehemaligen Sentinels-Trainer Jimmy McGinty (Gene Hackman) aus dem Ruhestand, der ihm innerhalb einer Woche ein Team von Ersatzspielern zusammenstellen soll. Und zwar "ein Team aus Nobodys", denn OŽNeill hat "die Nase voll von diesen überdrehten Football-Diven". Da ist der Quarterback Shane Falco (Keanu Reeves), in seiner Collegezeit ein Star am Feld, aber erstens nervenschwach und seit zwei schweren Gehirnerschütterungen ohnehin mehr mit dem Reparieren von Booten als mit dem Werfen von Bällen beschäftigt. Der kleinkriminelle Ghetto-Gauner Clifford Franklin (Orlando Jones), der zwar wieselflink ist, aber dafür keinen Ball fangen kann. Der psychopathische Polizist Daniel Bateman (Jon Favreau), der Football vor allem deshalb liebt, weil hier jede Form von Körperverletzung ohne strafrechtliche Folgen bleibt. Nigel "The Leg" Gruff (Rhys Ifans), ein genialer Spieler, aber leider auch Kettenraucher und ungemein trinkfreudig. Earl Wilkinson (Michael Jace), der für diesen Job fünf Wochen Sonderurlaub aus dem Gefängnis bekam. Brian Murphy (David Denmann), ein talentierter Linebacker, aber leider stocktaub. Walter Chochran (Troy Winbush), ein wiedergeborener Christ, dessen Glaube an Gott Berge versetzt - nur leider nicht am Spielfeld. Jumbo Fumiko (Ace Yonamine), ein ausrangierter Sumo-Ringer, der in der Verteidigung Wunder wirken soll. Und die schwergewichtigen Zwillinge Andre und Jamal Jackson (Michael "Bear" Taliferro und Faizon Love), zwei Hip-Hop-Bodyguards, die einig sind in der festen Überzeugung, dass man, wenn gar nichts mehr hilft, notfalls auch zur Pistole greifen kann. Eine bunte Truppe, die schnell zum Star-Ensemble wird. Denn selbst wenn die neuen Washington Sentinels ihr Spiel nicht immer wirklich im Griff haben, gehen sie doch mit soviel Herz und Begeisterung auf den Rasen, dass bald auch das Publikum voll auf ihrer Seite steht. Gut, letzeres kann natürlich auch an einer ganz anderen Wunderwaffe des Trainers liegen: Die neuen Cheerleader-Girls der Washington Sentinels kommen aus dem besten Striptease-Schuppen der Stadt. Fragen Sie bloß nicht, was die für Tänze draufhaben. (pk) |
Der amerikanische Traum wird wahr: "Matrix"-Star Keanu Reeves streift das Football-Trikot über und wird zum umjubelten Punktemacher in Howard Deutchs turbulenter Sport-Komödie. In den Usa, dem Mutterland des Football, in dem eingefleischte Tribünenhocker die Jahreszeiten nach ihren Lieblingssportaten Eishockey, Baseball, Basketball und Football einteilen, ist das Gerangel um das Lederei derart populär, dass regelmäßig Filme zum Thema gedreht werden. Auch hierzulande greift das Football-Fieber immer mehr um sich, so dass die Sportkomödie um den bunten Haufen ausrangierter Exzentriker auch bei uns gut punkten sollte. Mit viel Witz und sichtbarer Lust an seinen hinreißend verrückten Charakteren, allesamt Underdogs "aus der zweiten Reihe", gelingt Komödien-Spezialist Howard Deutch ("Der dritte Frühling") das Wunder, den Adrenalinkick, den die Ersatzspieler in der Arena erleben, auf die Leinwand zu transportieren. Aus Liebe zum Spiel Denn weder Geld noch Ehrgeiz motiviert das Team auf dem Spielfeld, sondern einzig die Liebe zum Spiel. Und so vollbringen die Loser von gestern auf dem grünen Rasen bald wahre Heldentaten. Deutch ist mit der Besetzung ein echter Coup geglückt: Neben Hollywood-Legende Gene Hackman spielt "Matrix"-Superstar Keanu Reeves. Allein der Name des 36-jährigen gebürtigen Libanesen, der in den USA aufwuchs, dürfte die Fans in Massen vor die Leinwand locken. Er praktizierte für die Rolle, die viel sportlichen Einsatz erforderte, echtes "method acting", futterte sich die fehlenden Pfunde an und trainierte eisern wie ein Profi. Nach einem Drehbuch von Routinier Vince McKewin (Amy und die Wildgänse) entwickelt Deutch seine Geschichte um eine Hand voll gebrochener Charaktere, die aus ihrem tristen Alltag ausbrechen und es noch einmal wissen wollen. Da gibt es, neben dem ebenso gutmütigen wie erfahrenen Coach Jimmy McGinty (präsent wie immer: der zweifache Oscar-Preisträger Gene Hackman), der aus einem Haufen Versagern ein schlagkräftiges Ersatz-Team für die streikende A-Mannschaft zusammen stellen sol, die Spieler selbst, allesamt Prachtexemplare der Gattung charismatische Exzentriker. Quarterback Shane Falco (Reeves) etwa war einst ein vielversprechendes College-Talent, bis er wegen einer schweren Niederlage den Glauben an sich selbst verlor. Verteidiger Daniel Bateman (Jon Favreau) wiederum schlägt als Polizist gern mal über die Stränge und Stürmer Nigel Gruff (Rhys Ifans) ist hauptberuflich ketten-rauchender Kneipengast und nebenbei Weltklasse-Fußballer. Außerdem laufen noch auf: ein Sumo-Ringer, zwei scharze Bodyguards, ein Priester und ein Gehörloser. So entsteht der Humor vor allem aus dem Aufeinandertreffen dieser so betont unterschiedlichen Lebenswelten. Im Endergebnis ist Deutchs Werk ein hintersinniger Sportfilm voller gelungener Gags, versehen mit temporeichen Action- und Spielszenen sowie einer angenehm unaufdringlichen Romanze zwischen Cheerleader Annabelle (Brooke Langton) und Shane, der nicht zuletzt durch ihre Hilfe seine alte Form wiederfindet. Hintergrund: Footballfilme - Meilensteine eines unterschätzten Genres Die Verschmelzung von Rugby und Soccer führte gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur neuen Sportart American Football. Schon 1890 begann in den USA die Ära des Profi-Football, doch richtig populär wurde das Spiel erst nach Ende des II. Weltkriegs mit der zunehmenden Verbreitung des Fernsehens. Footballfilme gibt es jedoch schon seit den Anfängen des Kinos. Bereits 1925 entstand der Komödienklassiker "The Freshman", in dem sich Harold Lloyd - währen seiner High-School-Zeit selbst begeisteter Boxer - als Sportskanone betätigt. Anfang der dreißiger Jahre zeigte John Wayne, in jungen Jahre unter seinem Geburtsnamen Marion Michael Morrison ein bekannter USC-Football-Star, sein Bewegungstalent in dem heute vergessenen Werk "Maker of Men", und auch die Marx-Brothers leisteten mit "Horse Feathers" (1932) ihren Beitrag zum neu entstandenen Genre. über 90 US-Filme beschäftigen sich mit dem US-Nationalsport. Zu den besten zählen Ted Kotcheffs "Die Bullen von Dallas" mit Nick Nolte, Taylor Hackfords "Ein Leben voll Leidenschaft" mit Dennis Quaid, Tony Scotts "The Last Boy Scout - Das Ziel ist Überleben" mit Bruce Williw, Cameron Crowes "Jerry Maguire - Spiel des Lebens" mit Tom Cruise sowie Oliver Stones "An jedem verdammten Sonntag" mit Al Pacino. |
siehe Photos | Filme
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